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What's up with the ITB Berlin Bears?

2016 feierte die ITB Berlin ihr 50 jähriges Jubiläum. Das Jubiläum war für uns der feierliche Anlass, verschiedene Destinationen weltweit zu besuchen, um uns vor Ort persönlich zu bedanken – unter dem Motto „From Berlin With Love!“
Als Aufhänger für die Besuche wurden 50 Themen oder Ereignisse aus weltweit 50 Destinationen ausgewählt, die jeweils Bezug zu Tourismus, Politik, Soziales, Natur oder Geschichte haben. 50 ITB Ambassadors (Botschafter) aus Berlin besuchten vor Ort jeweils einen örtlichen Representative, wobei beide Personen einen persönlichen Bezug zum Thema hatten.
Bei der persönlichen Begegnung wurde ein Interview geführt und jeweils ein ITB Buddy Bär überreicht.

Heute lassen wir diese emotionalen Geschichten wieder aufleben, ganz nach dem Motto: "What’s up with the ITB Berlin Bears?"

Wir wollten nämlich wissen, wie es den Representatives in den letzten 5 Jahren ergangen ist, was sie erlebt und gelernt haben, wie die Pandemie sich auf ihre Arbeit ausgewirkt hat und was ihr größter Wunsch für die Zukunft ist.

In den kommenden Wochen werden wir hier die alten und neuen Interviews online stellen – als Text und als Podcast.

Begleiten Sie uns auf diesem Abenteuer!


London | Vereinigtes Königreich - Reisetechnologie

Interview aus dem Jahr 2016

Technik bringt die Welt in Schwung

London ist nicht nur führend in den Bereichen Bildung, Kunst, Mode und Medien, sondern auch das Finanzzentrum Europas. Daher ist es nicht verwunderlich, dass London nach San Francisco und New York City den drittgrößten Cluster für Technologie-Start-ups der Welt hat. Silicon Roundabout befindet sich im Osten Londons und umfasst über 2.000 Start-ups, 30 Akzeleratoren und 48.000 Beschäftigte in der digitalen Wirtschaft. Dies ist zum Teil den Bemühungen der Regierung zu verdanken, wie z.B. großen PR-Initiativen, Steueranreizen und dem "Unternehmervisum" für Menschen aus Nicht-EU-Gründerstaaten. Diese Vorteile, gepaart mit der derzeitigen Verfügbarkeit von Kapital und einem treibenden Unternehmergeist, machen London zu einer lebendigen Szene in diesem Bereich.

Reisetechnologie ist in vielen Start-up-Szenen ein heißes Thema. Im weiteren Sinne bedeutet der Begriff die Anwendung von IT-, Software- und E-Commerce-Lösungen in der Reise- und Tourismusbranche.

In London gibt es eine sehr aktive Travel-Tech-Szene mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten, die jeden Monat von und für Start-ups und Technologieunternehmen organisiert werden. Die britische Hauptstadt verfügt sogar über einen ausgewiesenen Traveltech Co-Working Space, das Traveltech Lab, was ihrem Ruf als wichtiger Knotenpunkt für die Reisebranche zugute kommt.

Vertriebsexperte trifft Datenspezialist

Obwohl sich die beiden Traveltech-Insiderinnen noch nie zuvor getroffen hatten, war ihre Verbindung so eng, dass sich das Gespräch in London wie ein Treffen zweier alter Freundinnen anfühlte. Beide haben viel Erfahrung im Travel-Tech-Sektor und sind begeistert von den Auswirkungen, die er auf die globale Reisebranche hat.

Was genau ist Reisetechnologie und vor welchen Herausforderungen steht sie?

Charlotte Lamp Davies: Die Reisetechnologie steht für die Evolution und ist ein notwendiges Übel – ohne sie wären wir nicht hier. In den letzten Jahren hat sich die Technologie weiterentwickelt und mit ihr die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Verbraucher. Diese Kombination ist eine echte Herausforderung für die Branche, denn sie hinkt noch immer hinter einigen anderen Branchen her, z. B. dem Einzelhandel, der genau weiß, wie er seine Kunden erreichen kann.

Steffi Schweden: Für mich ist es das unsichtbare Herz der Reisebranche. Es hält sie am Laufen und verbindet die Milliarden von Anbietern und Zwischenhändlern mit den Milliarden von Kunden. Das Internet hat die Branche verändert, der Verbraucher von heute ist viel gebildeter und selbstbewusster, und er hat die Möglichkeit, direkt zu kaufen, was neue Akteure und völlig neue Geschäftsmodelle in die Branche gebracht haben.

Wohin steuert die Reisetechnologie?

StS: Ich denke, mit Hilfe von Big Data können wir mehr personalisierte Lösungen erwarten. Ich bin zum Beispiel Kitesurferin und warte auf den Tag, an dem mein Smartphone mir sagt: Dein Kalender zeigt ein freies Wochenende in drei Wochen an und eine Wetterseite weist darauf hin, dass es in Dänemark windig sein wird. Es wird mir dann einen Weg vorschlagen, wie ich dorthin komme, und ich kann das Ganze per Knopfdruck buchen. Das ist es, was ich bei der Reisetechnologie sehe.

CLD: Es kommen immer mehr Gadgets auf den Markt, die es den Verbrauchern ermöglichen, die von ihnen gewünschten Erfahrungen zu machen. Bizarrerweise reden wir über Big Data und sammeln sie, aber trotz der vielen Informationen, die wir sammeln, sind Reiseunternehmen immer noch nicht in der Lage, Steffi zu sagen, wann sie in Dänemark Kitesurfen gehen kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir dieses Problem in Zukunft mit Hilfe der Technologie erfolgreich angehen werden. Das müssen wir.

Was macht London und Berlin zu Mekkas für Start-ups?

CLD: London ist ein so fruchtbarer Nährboden, weil es ein Schmelztiegel der Kulturen und Nationalitäten ist, und es gibt Risikokapital, das den Unternehmergeist verkörpert. Aus diesem Grund habe ich mich in die Stadt verliebt.

StS: Berlin hatte das Glück, nach dem Fall der Mauer die Chance zu bekommen, sich neu zu definieren. Es herrschte ein Gefühl von "jetzt können wir alles machen" und ein großer Enthusiasmus, der immer noch vorhanden ist. Große Köpfe kommen in die Stadt, um Unternehmen zu gründen, weil die Mieten und Lebenshaltungskosten noch relativ niedrig sind. Dennoch sehe ich noch Entwicklungsmöglichkeiten für echte Reisetechnologie. Wir könnten zum Beispiel Unternehmen gründen, die Ideen zur Verbesserung mobiler Reiselösungen nutzen.

Gibt es eine Gleichberechtigung in der Reisetechnologie?

StS: In Bereichen wie Marketing und Produktmanagement ist es bereits recht ausgeglichen, aber in der Softwareentwicklung arbeiten immer noch mehr Männer. Was wir brauchen, sind Schulen, die junge Mädchen und Frauen z. B. in Ruby on Rails (eine Programmiersprache) einweisen. Wir sollten ihnen erstklassige Programmierideen vermitteln und ihnen Erfolgsgeschichten zeigen, damit sie sich für die Arbeit in diesem Bereich begeistern können.

CLD: Es gibt definitiv mehr Frauen, die in die Softwareentwicklung gehen. Wir beobachten auch einen Kulturwandel, da mehr Frauen ermutigt werden, einen Weg einzuschlagen, der früher als männerlastig galt. Um dies aufrechtzuerhalten, muss das Bildungssystem es für Frauen verlockend und aufregend machen, in den technischen Bereich einzusteigen. Das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in der Technologie liegt nicht an mangelnden Fähigkeiten. Millionen von Frauen haben mathematisches Talent, sind prozessorientiert und passen genau in die Welt der Technik. Es ist keine Frage des Geschlechts, es ist eine Frage der Bildung.

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Stockholm | Schweden - Pippi Langstrumpf

Interview aus dem Jahr 2016

Das stärkste Mädchen der Welt

Die Geschichten von Astrid Lindgren kennt fast jeder auf der ganzen Welt. Pippi Langstrumpf, Emil von Lönneberga oder Karlsson vom Dach sind seit vielen Jahrzehnten die Lieblinge der Kinder. Diese Beliebtheit führte zum Bau von Junibacken, dem meistbesuchten Kindermuseum Schwedens, auf der Insel Djurgärden in Stockholm.

Die erste Station für Besucher ist der Geschichtenbuchplatz, wo jedes Haus einem schwedischen Kinderbuchautor gewidmet ist (in diesem Fall nicht Astrid Lindgren). Die Kinder tauchen in eine Welt der Märchen und treffen auf bekannte literarische Figuren wie Alfie Atkins, die Mumins, Gary Gadget, Pettson und Findus. Dann ist es an der Zeit, auf den Geschichtenzug aufzuspringen, eine Reise durch Astrid Lindgrens Geschichten, bei der die Erzählung, die Musik und die Beleuchtung ein Genuss sind.

Der Zug endet in der Villa Kunterbund, der Heimat des stärksten Mädchens der Welt, Pippi Langstrumpf. Hier kann man auf ihrem Pferd reiten und in ihrem Haus herumtollen.

Junibacken ist ein Riesenspaß für Kinder jeden Alters. Außerdem beherbergt es eines der größten schwedischen Kindertheater und die größte Kinderbuchhandlung des Landes. Und als ob das noch nicht genug wäre, gibt es in dem nahe gelegenen Dorf Vimmerby die Möglichkeit, Astrid Lindgrens Welt zu besuchen und mit den sechs Bullerbü-Kindern zu spielen.

Junibacken-Managerin trifft glücklichen Gewinner

Jenny Helldahl heißt Eric und seine Familie in Junibacken in Stockholm willkommen und hilft ihnen, die vielen Attraktionen des magischen Kindermuseums zu erleben.

Frau Helldahl, was ist die Bedeutung von Junibacken?

Jenny Helldahl: Junibacken ist der Ort, an dem Madicken lebt. Madicken ist eine Figur aus einem Roman von Astrid Lindgren. Die Gründerin des Museums hat Astrid Lindgren um einen Namen gebeten, und sie hat diesen Namen gewählt.

Wie alt ist das Museum?

JH: Wir haben vor zwanzig Jahren, 1996, eröffnet.

Eric, was gefällt dir am meisten an diesem Museum?

Eric Paul Steuernagel: Ich mag die Pirateninsel und das Pferd von Pippi Langstrumpf (Old Man). Und ich mag die Villa Kunterbunt.

Was kann man im Junibacken-Museum machen?

JH: Wir haben viele Ausstellungen, die alle auf Kinderbüchern basieren. Sie sind alle dreidimensional, so dass es so ist, als würde man in die Bücher hineingehen. In Museen sieht man oft Schilder mit der Aufschrift "Bitte nicht anfassen". Unser Motto lautet: "Bitte anfassen!" Die Kinder dürfen also alles anfassen und erleben. Wir haben auch jeden Tag Theaterstücke.

EPS: Die Rutsche der Villa Kunterbunt gefällt mir am besten. Das Rutschen hat mir Spaß gemacht.

Was ist Ihre Vision für das Museum?

JH: Wir wollen uns noch mehr auf den literarischen Aspekt konzentrieren. Die Menschen lesen immer weniger, deshalb ist es unsere Herausforderung, Kinder zum Lesen zu inspirieren und, was sehr wichtig ist, Erwachsene dazu zu bringen, ihren Kindern vorzulesen. Unser anderes Ziel ist es, zu expandieren, wir wollen größer werden.

In den letzten 70 Jahren sind viele andere 'moderne' Kinderhelden und -heldinnen entstanden. Warum kennen die Kinder von heute noch Pippi? Warum ist sie zeitlos?

JH: Im Fall von Pippi denke ich, dass sie sehr unabhängig und stark ist und ihr eigenes Ding macht. Gleichzeitig hat sie ein sehr gutes Herz und will das Beste für alle. Ich denke, diese Kombination macht sie so attraktiv. Sie funktioniert heute noch genauso wie vor vielen Jahren.

Verbinden die Geschichten von Pippi Langstrumpf die Generationen?

JH: Ja, natürlich! Meine erste Kindheitserfahrung ist, dass mir meine Mutter immer wieder die Geschichten von Pippi vorgelesen hat. Ich erinnere mich an den Geruch der alten Bücher, und dann erinnere ich mich, dass sie in die Bücher gekritzelt hat. Für mich als junges Mädchen war es schön, die Kritzeleien zu sehen, die meine Mutter in meinem Alter in das Buch gemacht hatte.

EPS: Meine Mama liest mir auch Pippi Langstrumpf vor und ich mag es sehr. Deshalb bin ich froh, dass ich gewonnen habe.

1999 wurde Astrid Lindgren zur beliebtesten schwedischen Person des Jahrhunderts gewählt. Warum haben die Leute für sie gestimmt?

JH: Mindestens vier Generationen kennen sie und haben durch ihre Geschichten eine Beziehung zu ihr. Sie hat sich auch für Themen wie Kinder- und Tierrechte eingesetzt. Wenn sie etwas sagte, hörten die Leute zu. Sie hatte einen wirklich großen Einfluss auf die Gesellschaft und hat ihn immer noch.

Gibt es noch andere Orte in Schweden, die Lindgren-Fans besuchen sollten?

JH: Ja, sie können nach Vimmerby außerhalb von Stockholm fahren, wo Astrid Lindgren geboren wurde, und sie können an dem Haus vorbeigehen, in dem sie lebte, wenn sie wollen. Dort gibt es auch den Themenpark Astrid Lindgrens Welt mit vielen Attraktionen.

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Kapstadt | Südafrika - Luxuriöser Ökotourismus

Interview aus dem Jahr 2006

In Harmonie mit Ihrer Seele

Südafrika ist eines der vielfältigsten Reiseziele der Welt. Es bietet atemberaubende Landschaften, eine atemberaubende Flora und Fauna und Nationalparks, die ein unwiderstehliches Versprechen von Abenteuer bieten. Besucher können dort auf verschiedene Weise Urlaub machen und finden eine Vielzahl von Unterkünften, die ihren Bedürfnissen entsprechen: Lodges und Gästefarmen in Privatbesitz, Bed & Breakfasts für Rucksacktouristen, Familienhotels und Luxusresorts.

Ein luxuriöses Refugium liegt versteckt in den Dünen des malerischen Fischerdorfs Paternoster, einer Oase an der unberührten Westküste, nur 150 Kilometer nördlich von Kapstadt, wo vor Tausenden von Jahren der unberührte Stamm der Strandloper lebte. Die Hotelanlage fügt sich nahtlos in die umliegende Landschaft ein, und die Ruhe wird nur durch das beruhigende Geräusch der sich am Ufer brechenden Brandung unterbrochen. Es ist ein Ort der Ruhe und Kontemplation, der seinen Gästen den ultimativen Luxus von Raum und Zeit bietet, und da wir in Südafrika sind, auch die Möglichkeit einer zufälligen Begegnung mit einem Wal oder Delfin.

Architekt trifft Hotelbesitzer

Im schönen Paternoster in der Nähe von Kapstadt treffen zwei Menschen aufeinander, die sowohl deutsche als auch südafrikanische Verbindungen haben. In ihren jeweiligen Funktionen stehen sie an der Spitze einer Neudefinition des Begriffs „Luxustourismus“, die sie in unserem Interview näher erläutern.

Frau Jacke, was haben Sie gemacht, bevor Sie Ihr Hotel eröffnet haben?

Simone Jacke: Nach meinem Journalismus-Studium in Berlin bin ich nach Mauritius gegangen, wo mein Mann Deon und ich uns bei der ehrenamtlichen Arbeit in einer Tierschutzorganisation für die streunenden Hunde der Insel kennengelernt haben. Deon stammt ursprünglich aus Paternoster, also kamen wir hierher und eröffneten 2011 das Hotel.

Dr. Mpahlwa, wie haben Sie Simone als Botschafterin des Strandloper Ocean Boutique Hotel kennengelernt?

Luyanda Mpahlwa: Nachdem ich aus dem Exil in Deutschland nach Kapstadt zurückgekehrt bin, habe ich Kontakt zu hier lebenden Deutschen aufgenommen und sie gehört zum gleichen Freundeskreis.

Teile des Strandloper Landes stehen unter Denkmalschutz, richtig?

SJ: Als wir anfingen, kam ein archäologisches Team hierher und erforschte das Gebiet. Einer der Bereiche neben dem Hotel wurde zum Kulturerbe erklärt. Wir haben Glück, denn das kulturelle Erbe ist in Südafrika sehr gut geschützt.

Wie kombinieren Sie die natürliche Umgebung mit Ihrem Luxuskonzept?

SJ: Es ist Teil unserer Strategie, ein integraler Bestandteil der Natur zu sein. Wir hoffen, dass jeder Gast nach und nach zu einem Strandloper wird; dass er sich mit der Natur verbindet und sein Selbstbewusstsein zurückgewinnt.

Finden Sie als Architekt, dass dies gelungen ist?

LM: Die Strandloper mit ihren zauberhaften Ausblicken auf die Landschaft, mit ihren hellen Räumen, ihrer Einrichtung und ihrem Indoor-Outdoor-Erlebnis halte ich für sehr gelungen, um ultimativen Luxus und Entspannung zu erreichen.

Beziehen Sie Nachhaltigkeit in Ihren Ansatz mit ein?

SJ: Wir sehen es als unsere Verantwortung an, diesen schönen Planeten zu erhalten. Deshalb arbeiten wir mit Solarenergie und versuchen, so wenig Abfall wie möglich zu erzeugen. Wir haben einen Biogarten und kochen mit regionalen und saisonalen Produkten von lokalen Bauern und Fischern.

Warum haben Sie sich für den Luxustourismus entschieden?

SJ: Wir haben uns bewusst dafür entschieden, ein Fünf-Sterne-Hotel direkt am Strand zu bauen. Obwohl Paternoster ein sehr beliebtes Touristenziel geworden ist, gibt es in der Gegend keine andere Einrichtung dieser Art. Für uns steht Luxus nicht für Opulenz oder Verschwendung, sondern vielmehr für eine entspannte Naturverbundenheit.

Was ist Ihre Erfahrung mit Luxustourismus?

LM: Ich stimme mit dieser Definition überein. Hotels wie die Strandloper kümmern sich um jeden Einzelnen auf eine persönliche und hochwertige Art und Weise; die Gäste lernen ihre Gastgeber auf einer persönlichen Ebene kennen. Das macht den Unterschied

Was suchen die Gäste heutzutage?

SJ: Ich habe das Gefühl, dass der Gast von heute nach Konzepten sucht, bei denen Nachhaltigkeit wichtig ist; naturnah, um seine Wurzeln wiederzufinden, denn die moderne Gesellschaft entfremdet uns von dem, wo wir wirklich herkommen. Unser einfacher Ansatz des Barfuß-Luxus, sich selbst zu sein und ein Gleichgewicht im Leben herzustellen und sich wieder mit der Natur zu verbinden - wie der Stamm der Strandloper - ist sehr ansprechend.

LM: Ich glaube, dass auch die Größe eine wichtige Rolle spielt. Boutiquehotels wie dieses sind eher klein, überschaubar und bieten Intimität.

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Kozhikode | Indien - CSR - Soziale Verantwortung der Unternehmen

Verantwortung von ganzem Herzen

Der südindische Bundesstaat Kerala ist bekannt für seine atemberaubenden Backwaters und wunderschönen traditionellen Hausboote, seine Naturschutzgebiete, seine langen, von Kokospalmen gesäumten Strände, Ayurveda-Retreats, Homestays, Tee- und Gewürzfarmen, Tempel sowie für seine Kunst und traditionellen Tänze.

Ein Ort in Kerala, der einen Besuch wert ist, ist Kozhikode, früher bekannt als Calicut, bis es 1998 in seinen ursprünglichen Malayalam-Namen umbenannt wurde. Kozhikode ist die drittgrößte Stadt des Bundesstaates und blickt auf eine glanzvolle Geschichte als wichtiger Handelsplatz zurück, der auch als "Stadt der Gewürze" bekannt wurde. Bereits im 7. Jahrhundert waren arabische Kaufleute mit der Region geschäftlich verbunden. Ihnen folgten chinesische Händler, portugiesische, niederländische und britische Kolonisten bis zur Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947. Die religiöse Vielfalt, die sich aus dieser Zeit entwickelte, spiegelt sich noch immer in der großen Zahl von Hindus, Christen und Muslimen wider, die die zahlreichen schönen Tempel, Kirchen und Moscheen besuchen.

Das Herz dieser pulsierenden Stadt ist der Manachira-Platz - einst der Innenhof des Palastes des Herrschers von Zamorin. Nicht weit von der Stadt entfernt lädt die üppig grüne Natur mit Wasserfällen und unberührten, ruhigen Stränden die Besucher ein. Der Kappad Beach mit seinem alten Leuchtturm ist ein wunderbares Ausflugsziel unweit des Zentrums. Es ist auch der Ort, an dem der portugiesische Entdecker Vasco da Gama erstmals indischen Boden betrat.

CSR-Vertreterin trifft Gemeindeaktivisten

Beide Gesprächspartner teilen ein starkes Engagement für die soziale Verantwortung von Unternehmen. Zu diesem Zweck fördern sie nachhaltige, sinnvolle Praktiken als künftige Grundlage für den Tourismus.

Frau Jean-Francois, was versteht die ITB Berlin unter sozialer Verantwortung von Unternehmen?

Rika Jean-François: Für die ITB Berlin ist CSR kein Modethema, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Wir müssen uns der Verantwortung unserer Branche gegenüber der Gesellschaft bewusst sein, und das erfordert einen ganzheitlichen Ansatz von allen Tourismusakteuren. Die ITB Berlin will eine Plattform für eine Tourismusentwicklung bieten, die die Natur der Welt respektiert und schützt und die Menschenwürde, Sicherheit und Gerechtigkeit fördert.

Herr Nair, was bedeutet CSR für Sie?

Prasanth Nair: Ich stimme Rika zu, CSR ist weder eine Modeerscheinung noch bedeutet es vorübergehendes Engagement - es ist einfach eine Pflicht. Der Begriff CSR wird manchmal missbraucht. Ich würde mir wünschen, dass Aktivitäten mit Mitgefühl aus den Teams eines Unternehmens kommen. Soziale Verantwortung sollte Teil der Lebensweise eines jeden werden. Und dieses Verhalten sollte nicht der Selbstdarstellung dienen, sondern auf diskrete und förderliche Art und Weise die Sache unterstützen.

Herr Nair, welche sozialen Initiativen haben Sie ins Leben gerufen?

PN: Wir versuchen, kleine Dinge zu tun, um grundlegende menschliche Probleme anzugehen und einen besseren Ort zum Leben zu schaffen, indem wir uns wirklich an der Gemeinschaft beteiligen und individuelles Mitgefühl zeigen. So haben wir zum Beispiel mit Hilfe der Restaurantbesitzer von Kozhikode die "Operation Sulaimani/Food with Dignity" eingeführt, um Menschen zu ernähren, die sich keine Mahlzeit leisten können. Compassionate Kozhikode" ist das große Dachprojekt für all diese Aktivitäten. Es befasst sich mit den Grundbedürfnissen jedes einzelnen Menschen: Hunger, Unterkunft, Mobilität und so weiter. Wir versuchen, menschenwürdige Lösungen zu finden.

Welches war Ihr erstes soziales Projekt im Zusammenhang mit dem Tourismus?

PN: Ich war einmal an einer Umsiedlung von Stammesfamilien beteiligt, und es war klar, dass es in der Gemeinde Gesundheits- und Ernährungsprobleme gab. Wir stellten der Gemeinde eine kleine Ferienanlage zur Verfügung, die sie übernehmen konnte. Als Eigentümer dieses Tourismusprojekts verdienten sie bald genug Geld, um ihre Ernährung zu sichern, so dass sich die Gesundheit verbesserte und das Geschäft sogar expandierte. In der Zwischenzeit wurde die jüngere Generation im Tourismus geschult, und es geht auf nachhaltige Weise weiter.

Kann der Tourismus zur Förderung von Frieden und Verständigung beitragen?

RJF: Wie Herr Nair gerade beschrieben hat, können wir bessere Orte schaffen, wenn wir die Gemeinschaften durch erste partizipative Maßnahmen unterstützen, die es den Menschen ermöglichen, selbst die Verantwortung zu übernehmen, und einen nicht ausbeuterischen, umweltfreundlichen und fairen Tourismus fördern. Der Tourismus kann ein starkes Vehikel für positive Veränderungen sein und Barrieren in unseren Köpfen einreißen.

PN: Es ist die Angst vor dem Unbekannten, die Feinde schafft. Der Tourismus ist eine Möglichkeit, den anderen kennen zu lernen, die guten Seiten zu entdecken. Sie werden entdecken, dass sie genau wie Sie sind! Wir müssen uns auf diese positiven Erfahrungen konzentrieren, und der Tourismus wird Frieden und Wohlstand bringen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass die ITB Berlin als Plattform für verantwortungsvollen Tourismus, die das mitfühlende Element im Menschen fördert, die Welt verändern kann!

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Fuerteventura | Spanien

Interview aus dem Jahr 2016

Reisen 'All-inclusive'

Der Begründer des Cluburlaubs war ein Belgier namens Gérard Blitz. Seine erste Ferienanlage hieß "Le Club" und bot Platz für 2.300 Urlauber, die in einem Pinienwald auf Mallorca in Armeezelten übernachteten. Dieses Konzept des Gruppenurlaubs unter der südeuropäischen Sonne wurde weiterentwickelt, als Blitz sich mit dem Franzosen Gilbert Trigano zusammentat, der die Zelte für diese Anlage geliefert hatte. Mit dieser Idee eröffneten die beiden 1954 einen zweiten Club in Italien, der auf diesem Konzept basierte. Diese Zeltanlagen, bei denen Naturnähe und sportliche Betätigung im Vordergrund standen, erwiesen sich als großer Erfolg.

Die Cluburlaube sind auch heute noch beliebt, obwohl sie seit ihrer Gründung einige Veränderungen erfahren haben. Zum einen gibt es die Zelte nicht mehr, was wahrscheinlich gut ist, da man jetzt auch im Winter Cluburlaub machen kann. Außerdem können Urlauber seit den 1960er Jahren und der Eröffnung von Resorts, z. B. in Tahiti, Gruppenurlaube an verschiedenen Orten der Welt genießen.

Im Laufe der Jahre haben sich auch andere Unternehmen, wie Aldiana und ROBINSON Club, in diesem Bereich etabliert. Diese Organisationen gehören neben dem Club Med zu den führenden Anbietern von Cluburlaub in Europa.

Clubmanager trifft treue Gäste

ROBINSON Clubmanager Tom Pick trifft die Stammgäste Rosemarie und Rainer Rehnisch, die seit der Eröffnung des Jandia Playa, dem ersten ROBINSON Club, vor 40 Jahren immer wieder kommen. Es überrascht nicht, dass sie jedes Mal, wenn sie kommen, wie ein Teil der Familie behandelt werden. Sie haben ein freundschaftliches Verhältnis zu den Mitarbeitern, die sie bei jedem Besuch mit offenen Armen empfangen.

Wie sind Sie zu ROBINSON gekommen?

Tom Pick: Nach meiner Ausbildung habe ich mich bei ROBINSON beworben. Damals suchten sie Personal für die Abteilung Food & Beverage. Ich wusste nichts über ROBINSON, ich wusste nur, dass sie ein Büro in Frankfurt haben. Ich ging dorthin und klopfte an die Tür und fragte, ob sie meine Bewerbung erhalten hätten. Sie lachten und zeigten mir einen riesigen Stapel von Bewerbungen. Wir legten meine Bewerbung ganz oben auf den Stapel und drei Monate später, 1987. begann ich im Club Jandia Playa zu arbeiten.

Rosemarie Rehnisch: Meine Schwester hat uns die Idee in den Kopf gesetzt. Sie besuchte den Club Jandia Playa zusammen mit ihrem Mann im Jahr 1971, dem Jahr, in dem er eröffnet wurde. Allerdings riet sie uns davon ab, weil sie dachte, dass wir, da wir jung waren, den Club, der ziemlich abgelegen und weit weg von allem anderen ist, nicht genießen könnten. Aber es gefiel uns, und so machten wir 1973 an unserem 10. Hochzeitstag unseren ersten Ausflug in den Club Jandia Playa. Wir haben auch unsere Goldene Hochzeit hier verbracht und viele andere Jubiläen in verschiedenen ROBINSON Resorts gefeiert.

Herr Pick, kommen viele Jubilare in Ihren Club?

TP: Ja, viele unserer Gäste feiern hier Meilensteine wie Geburtstage, Hochzeitsjubiläen oder andere wichtige persönliche Daten, weil sie sich bei uns gut aufgehoben und betreut fühlen. Wir stellen uns auf die Vorlieben jedes Gastes ein und individualisieren seinen besonderen Tag.

Was ist das Besondere am Club Holiday-Konzept?

TP: Das Tolle an dieser Art von Urlaub ist die Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Niemand bleibt anonym, die Gäste lernen sich kennen und die Mitarbeiter mischen sich unter sie und binden sie in die Dinge ein. Das ist der Grund, warum Leute wie Rosemarie und Rainer einmal kommen und dann immer wieder kommen. Viele Gäste knüpfen Freundschaften und verabreden sich jedes Jahr zu einer bestimmten Zeit im Club mit anderen.

Wie hat sich Jandia Playa im Laufe der Jahre entwickelt?

Rainer Rehnisch: Heute hat sich die Zahl der Gäste verdreifacht und der ganze Club ist größer geworden. Am Anfang war es eine kleine Familie, jetzt ist es eine große. Ich erinnere mich, dass es damals noch keine Selbstbedienungsbuffets gab, das Essen wurde an jedem Tisch serviert. Wenn ein 6er-Tisch nicht voll besetzt war, wurde er nicht bedient, und so wurden die Gäste ermutigt, zusammenzukommen.

Können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie bei Ihrer Ankunft begrüßt wurden?

RoR: Früher gab es nur montags An- und Abreisetage. Wir kamen alle am selben Tag an, sprachen uns zwanglos an und waren eine große Gruppe.

RaR: Es gab ein Schild im Empfangsbereich, auf dem die Ankunftszeiten der neuen Gäste an diesem Montag angegeben waren. Wir wurden gebeten, zu diesen Zeiten zur Rezeption zu kommen, um die neuen Gäste zu begrüßen.

TP: Heutzutage brauchen sich Rosemary und Rainer nicht mehr vorzustellen, sie werden mit Namen begrüßt.

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Lanzarote | Spanien - Architektur von César Manrique

Interview aus dem Jahr 2016

Im Einklang mit der Natur

César Manrique war ein leidenschaftlicher Maler, Architekt, Bildhauer und Umweltschützer und ist auf der Insel Lanzarote zu einer unsterblichen Figur geworden. Er hat das Image der Insel aktiv geprägt, indem er sich für nachhaltiges und traditionelles Bauen auf der Insel einsetzte.

Die natürliche Schönheit von Lanzarote, die durch die Kombination von Kunst und Natur hervorgehoben wird, trägt die Handschrift von Manrique. Sein grundlegendes Ziel, die Insel zum schönsten Ort der Welt zu machen, spiegelt sich in all seinen Werken wider. Er verfolgte das Ziel, Lanzarote zu einem Beispiel für nachhaltigen Tourismus zu machen, der die Tradition respektiert und sorgsam mit den Ressourcen umgeht. Seine Vision war, dass kein Gebäude auf der Insel mehr als zwei Stockwerke haben sollte und dass sich die Architektur an der Struktur der traditionellen kleinen weißen Häuser auf der Insel orientieren sollte.

Die Inselregierung unterstützte Manrique in den sechziger und frühen siebziger Jahren - und Lanzarote war dank seines berühmten Vordenkers viele Jahre lang für seine ungewöhnliche Kombination aus Natur, Tradition und Tourismus bekannt. Das Kulturzentrum "Arte de Obra" ist die Umsetzung einer Idee, die während der Lehrzeit von Bettina Bork bei César Manrique entstand. Es verwirklicht eine Architektur, die in Harmonie mit der Umgebung entwickelt wurde und den Besuchern ein Gefühl von "Ich will bleiben" vermittelt.

Architektin trifft ehemaligen Schüler von Manrique

Für Christoph Tettenborn war es inspirierend, Bettina Bork zu treffen, denn als ehemalige Schülerin und Kollegin von César Manrique konnte sie ihm von vielen spannenden Visionen des Architekten berichten.

Wie definieren Sie nachhaltige Architektur?

Christoph Tettenborn: Nachhaltige Architektur ist, wenn man sich immer vor Augen hält, dass unsere Ressourcen begrenzt sind. Ein wichtiger Faktor ist der behutsame Umgang mit Baumaterialien und Energie sowie das Einbeziehen der Natur, ohne sie zu zerstören. Ich glaube, das ist es, was Manrique anstrebte.

Bettina Bork: Die Materialien, die Manrique verwendet hat, waren wirklich nachhaltig. Er hat zum Beispiel alte, leere Ölfässer als Schalung verwendet. Heute weiß man, dass der Raum im Inneren der Ölfässer als perfekter Klimaregulator wirkt.

Was wollte César Manrique schaffen?

BB: Er wollte eine Umgebung schaffen, in der Natur und Kunst im Einklang stehen sollten. Für ihn war die Kunst jeder Raum, in dem wir leben. Für Manrique war es wichtig, das Wohnen mit der Natur zu verbinden, ohne Grenzen zu schaffen.

CT: Der Aspekt der Reduktion interessiert mich und auch, wie diese Reduktion erreicht werden kann.

Was sind die Markenzeichen von César Manrique?

BB: Manrique war eher ein Künstler als ein Architekt. Er hat mit Formen gespielt, 90-Grad-Winkel gab es bei ihm nicht. Charakteristisch für sein Werk sind runde Formen und schmale Eingänge zu Räumen. Wenn man durch einen spektakulär engen Gang geht, öffnet sich dieser in einen großen Raum mit einem Panorama oder einem Kunstwerk - das ist immer ein Überraschungseffekt.

Wie hat Manrique seine Vision den Touristen auf der Insel vermittelt?

BB: Sein Traum war, dass die Besucher sanft einfliegen und durch die Insel, ihre schönen Gärten, ihre Höhlen und ihre schönen Häuser fließen sollten. Alle sollten fließen, ohne Betonautobahnen, auf Straßen, die Manrique zu diesem Zweck entworfen hat.

Die Idee für Ihr Projekt "Arte de Obra" basiert also auf den Idealen von Manrique?

BB: Ja, die Gründung des Zentrums war eine Idee, die durch Manrique ins Leben gerufen wurde. Als Student auf Lanzarote lebte ich in einem Modell des Kulturzentrums. Der Grundgedanke war, viele Studenten verschiedener Nationen auf die Insel zu holen, die an der Idee des 'utopischen Traums' für Lanzarote arbeiten sollten. So wurde die Idee geboren und später in Form von 'Arte de Obra' zum Leben erweckt.

Herr Tettenborn, Sie verwerten bei "OffCut Berlin" Materialreste neu. Welcher Gedanke steckt hinter dem Projekt?

CT: Unser Projekt steht ausdrücklich für Upcycling. Wir verwenden hochwertige Materialreste und verwerten sie neu, anstatt sie zu entsorgen. Wir regen unsere Kreativität an, indem wir uns überlegen, was wir aus den Resten herstellen könnten. Das ist ein Prozess, mit dem wir unsere Kunden dazu anregen wollen, über Nachhaltigkeit nachzudenken.

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Tel Aviv | Israel - LGBT-Tourismus

Hotspot der LGBT-Community im Nahen Osten

Die langen Mittelmeerstrände, die unverwechselbare Bauhaus-Architektur, das vielfältige kulturelle Angebot sowie die Offenheit und Toleranz der Menschen machen Tel Aviv einzigartig.

Die Stadt im Nahen Osten hat sich zu einem Hotspot für die LGBT-Gemeinschaft (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) entwickelt. Im Jahr 2001 war Israel das erste Land in Asien, das Homosexuelle durch ein Antidiskriminierungsgesetz schützte. Seit 2002 können Homosexuelle ihre Partnerschaften in Tel Aviv eintragen lassen und erhalten von der Stadtverwaltung Vergünstigungen.

Im Juni 2015 fand zum 17. Mal die Tel Aviv Gay Pride Parade statt. Die von der LGBT-Gemeinschaft liebevoll gestalteten Wagen, die von den Teilnehmern der Parade begleitet wurden, zogen durch das Stadtzentrum und machten schließlich am Gordon Beach Halt. Mehr als 100 000 Menschen nahmen an den Feierlichkeiten teil, darunter 30 000 Touristen, die eigens für das Fest aus allen Teilen der Welt angereist waren.

Dank seiner Offenheit ist Tel Aviv zu einem beliebten Reiseziel für die LGBT-Gemeinschaft geworden. Reiseveranstalter wie Fluggesellschaften, Hotelketten und Reiseveranstalter haben schnell reagiert und bieten spezielle Pakete für schwule und lesbische Reisende an.

Manager trifft Reiseberaterin

Betti Keese und Russell Lord haben es sich zur Aufgabe gemacht, Reisen speziell für die LGBT-Gemeinschaft zu entwickeln. Als Botschafter der International Gay and Lesbian Travel Association vertreten die beiden ihre Länder und setzen sich für die Gleichberechtigung von LGBT-Reisenden ein. Außerdem sind ihre Heimatstädte durch eine schwierige gemeinsame Geschichte verbunden, die Völkerverständigung und Frieden zu Schlüsselthemen macht.

Berlin und Tel Aviv sind jeweils als "Mekkas" der LGBT-Szene bekannt. Wo trifft man sich?

Betti Keese: Berlin ist im Allgemeinen sehr offen, man kann sich frei bewegen, küssen und Händchen halten. Die Hauptszene befindet sich aber in Schöneberg, rund um den Nollendorfplatz. Dort gibt es viele Clubs, Bars und Geschäfte für die LGBT-Szene.

Russell Lord: Wir haben zwar kein "Schwulenviertel" wie Berlin, aber unsere Gäste finden hier das aufregendste Nachtleben mit angesagten Kneipen, Tanzbars und Partyreihen. Außerdem ist der Strand von Tel Aviv, der sich direkt im Stadtzentrum befindet, der Treffpunkt für alle, Einheimische und Touristen gleichermaßen.

Was sind weitere Gründe für LGBT-Reisende, Tel Aviv zu besuchen?

RL: Wir bieten warmes Wetter und weiße Sandstrände zusammen mit einer innovativen städtischen Szene. Das gastronomische Angebot ist sehr vielseitig und reicht von einfachen orientalischen Restaurants bis hin zu den besten Restaurants. Darüber hinaus sind die antiken Schätze von Jerusalem und Galiläa sowie das Tote Meer nur eine kurze Autofahrt entfernt.

BK: Tel Aviv ist sehr gastfreundlich, man fühlt sich willkommen und kann seine Gefühle offen zum Ausdruck bringen, auch als Lesbierin. Weniger als vier Flugstunden von Berlin entfernt findet man explizit LGBT-freundliche Hotels und sogar einen LGBT-Strand, den Hilton Beach.

Was ist der wichtigste Faktor für die stetige Entwicklung des LGBT-Tourismus im Allgemeinen?

RL: Alles hängt von dem Gefühl der Sicherheit, Offenheit und Freundlichkeit ab, das das Reiseziel vermittelt. Unsere Stadtverwaltung in Tel Aviv hat sich sehr bemüht, LGBT-Touristen aktiv anzuziehen. Eine Stadt muss eine klare Mission, eine kluge Marketingstrategie und den Willen haben, Ressourcen für die Anziehung des gewählten Marktes einzusetzen.

Wie unterscheidet sich der lesbische Tourismus vom schwulen Tourismus?

BK: Den schwulen Tourismus gibt es schon viel länger, den schwulen Tourismusführer "Spartacus" zum Beispiel gibt es seit den 1970er Jahren. Für Lesben gibt es bis heute nichts Vergleichbares. Als ich 2012 mein Unternehmen gegründet habe, musste ich erst einmal herausfinden, wie ich an die Lesbenszene herankomme, weil es kein so gut ausgebautes Netzwerk gibt. Auch sind die Reisebedürfnisse anders, z.B. spielt die Sicherheit für Touristinnen eine viel größere Rolle.

Was ist Ihre persönliche Mission im Hinblick auf die Entwicklung des LGBT-Tourismus in den nächsten Jahren?

RL: Meine persönliche Mission ist es, die authentischen Erfahrungen, die einheimischen Speisen und die verschiedenen Kulturen, die hier zu finden sind, zu nutzen und die touristische Erfahrung zu vertiefen, indem ich die Reisenden mit einer Vielzahl von Menschen in Kontakt bringe.

BK: Ich hoffe, dass ich die schwul-lesbische Gemeinschaft auf die gleiche Seite bringen kann. Wir müssen zusammenarbeiten und miteinander kommunizieren, damit wir voneinander und miteinander lernen können.

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Nürnberg | Deutschland - Kinderweihnachtsmarkt

Interview aus dem Jahr 2016

Der Zauber der Weihnacht

Jedes Jahr vom ersten Adventssonntag bis zum 24. Dezember findet in Nürnberg einer der ältesten und bekanntesten Weihnachtsmärkte der Welt statt. Der Christkindlesmarkt findet in der Altstadt auf dem romantisch beleuchteten Hauptmarkt statt. Hier, in den Holzbuden des „Städtleins aus Holz und Tuch" findet man traditionellen, handgefertigten Weihnachtsschmuck sowie süße Leckereien wie Lebkuchen und Spekulatius. Die Besucher können außerdem ein leckeres Glas Glühwein genießen.

An den großen Christkindlesmarkt schließt sich ein bezaubernder, kleinerer Markt an, der sich an die jüngeren Gäste richtet - der Nürnberger Kinderweihnachtsmarkt. Ein nostalgisches Karussell, eine Dampfeisenbahn, der Besuch des Nürnberger Christkinds und tolle Mitmachstände warten auf die kleinen Besucher. Auf diesem Markt ist jeder eingeladen, kleine Leckereien zuzubereiten und Kunstwerke zu schaffen. Man kann Plätzchen und Lebkuchen backen, Glas bemalen, einen Wunschzettel an das Christkind schreiben oder auf dem Festplatz mit Karussell und Riesenrad fahren. Auch im Sternenhaus Heilig-Geist-Saal wird ein buntes Kultur- und Erzählprogramm rund um den Christkindlesmarkt geboten.

Nürnbergs Tourismusdirektorin trifft kleinen Weihnachtsfan

Nürnbergs Tourismuschefin heißt den Weihnachtsfan Maximilian und seine Eltern herzlich in der Stadt willkommen und beobachtet seine leuchtenden Augen bei der Fahrt mit dem Zug auf dem Kinderweihnachtsmarkt.

Frau Coulin, was macht die Stadt Nürnberg einzigartig?

Yvonne Coulin: Das Einzigartige an Nürnberg ist, dass es eine freie Reichsstadt war. Sie war vor mehreren hundert Jahren das Zentrum Europas und ist es gewohnt, dass Menschen hier zu Gast sind. Sie ist eine sehr selbstbewusste und aufgeschlossene Stadt. Handel und Gewerbe waren wichtig, daher die Messe, die hier eingerichtet wurde. Die Zünfte, Handwerker und Familien waren früher in der Stadt sehr präsent, was auch heute noch zu spüren ist.

Warum zieht der Christkindlesmarkt so viele Menschen an?

YC: Ich denke, mit seinen traditionellen Ständen und Angeboten ist er authentisch. Den Markt gibt es schon seit vielen Jahren, er ist eine gut gelebte Tradition und in der Stadt verankert. Er findet im Herzen des Hauptmarktes statt, und in dieser Kulisse, mit dem Schloss im Hintergrund, ist es eine Traumkulisse.

Maximilian, was hast du auf dem großen Christkindlesmarkt erlebt?

Maximilian Beyer: Wir haben Würstchen gegessen - und Mama und Papa haben Glühwein getrunken. Ich habe den großen Weihnachtsbaum gesehen.

YC: Hast du auch unser Nürnberger Blechspielzeug gesehen?

MB: Ja, ein Feuerwehrauto aus Blech. Ich wünsche mir eins zu Weihnachten.

Welche Gerichte sind typisch für den Christkindlesmarkt?

YC: Da gibt es die weltberühmten Nürnberger Bratwürste, die Maximilian schon probiert hat, und die Lebkuchen, die nach einem überlieferten Rezept hergestellt werden. Aber auch der Glühwein ist toll! Nur wenige wissen, dass viele bekannte Glühweinmarken, die bundesweit angeboten werden, von Nürnberger Familienbetrieben hergestellt werden.

Was war Ihre Lieblingsbeschäftigung auf dem Kinderweihnachtsmarkt?

MB: Lebkuchen backen. Ich habe die Lebkuchen selbst gemacht.

Der Vater von Maximilian: Und sie auch alleine gegessen (lacht).

YC: Der Kinderweihnachtsmarkt ist toll! Er ist ein neueres Konzept als der traditionelle Christkindlesmarkt. Auch hier sind die Nürnberger ihrer Tradition treu geblieben und erfüllen die Wünsche der Kinder, die den Markt besuchen.

Was hast du noch erlebt, Maximilian?

MB: Papa und ich haben mit der Modelleisenbahn gespielt und sind mit dem Zug gefahren.

Maximilian, was hast du dir gewünscht, als du den Weihnachtsmann und das Christkind getroffen hast?

MB: Ich habe mir ein Polizeiauto gewünscht.

Welcher Weihnachtsmarkt in Berlin gefällt dir am besten?

MB: Der mit dem großen Riesenrad an der Marienkirche. Meine Mutter mag den am Gendarmenmarkt.

Welche weihnachtlichen Traditionen sind für dich besonders wichtig?

YC: In meiner Heimatstadt Heidelberg war Nürnberg immer ein Thema, denn zur Weihnachtszeit bestellten wir immer den Original Elisenlebkuchen. Wenn dann endlich das große Paket aus Nürnberg kam, war das ein Zeichen, dass die Weihnachtszeit begonnen hatte.

MB: Plätzchen backen mit Mama und Papa

Hören Sie sich hier an, was bei Yvonne Coulin in der Zwischenzeit passiert ist.

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Sint Michiel | Curaçao - Tauchen im Paradies

Interview aus dem Jahr 2016

Tauchen Sie ins Blaue

Curaçao ist etwa 444 Quadratkilometer groß und gehört zu den ABC-Inseln (Aruba, Bonaire, Curaçao), die in der karibischen See von Venezuela liegen. Interessanterweise spiegelt sich ein Großteil der Vergangenheit auf dem Festland wider, z. B. die hellen Kolonialhäuser in den Straßen von Willemstad, während die Zukunft der Insel in den blauen Gewässern liegt, die sie umgeben. Curaçao entwickelt sich schnell zu einem der besten Orte zum Tauchen auf dem Planeten. Nicht umsonst wurde Curaçao mit dem Reader's Choice Award des Scuba Diving Magazine ausgezeichnet, denn die Insel bietet wohl die besten Landtauchgänge der Welt und die Schnorchelmöglichkeiten sind atemberaubend. Insgesamt gibt es 40 verschiedene Tauchgebiete, die 65 einzelne Tauchplätze umfassen - jeder einzelne erlaubt es Tauchern, in die Naturwunder der Karibik einzutauchen.

Curaçao hat viele Geschichten zu erzählen, eine davon betrifft den berühmten Likör "Blue Curaçao". Die Spanier, die 1499 hierher kamen, dachten, die Bedingungen auf der Insel seien perfekt für den Anbau ihrer köstlich saftigen "Valencia-Orange". Doch sie irrten sich: Die pralle Sonne und das extrem trockene Klima setzten den von ihnen gepflanzten Valencias stark zu. Die Bäume, die wild wuchsen, trugen stattdessen eine Frucht, die ein bitteres Geschwisterchen ihrer süßeren spanischen Schwester war. Sie war ungenießbar, erwies sich aber glücklicherweise als ideal für die Herstellung von Likör. Das Ergebnis war der "Blaue Curaçao" - das Getränk, das heute in der ganzen Welt getrunken wird und das es auch in einer roten, grünen, gelben oder farblosen Version gibt.

Im Jahr 1634 ging die Insel von den Spaniern an die Niederländer über. Sie errichteten die Hauptstadt Willemstad und machten sie zu einem sehr wichtigen Handelsposten, der oft mit der schrecklichen Fracht jener Zeit handelte - Sklaven. Curaçao wurde schließlich 1795 zu einer vollwertigen niederländischen Kolonie. Diese Beziehung hat bis heute Bestand, und am 10. Oktober 2010 erhielt die Insel den Status eines eigenständigen Staates innerhalb des Königreichs der Niederlande.

Tauchlehrer und Tauchenthusiast treffen sich

Wenn sich zwei Tauchbegeisterte treffen, sind es eher Taten als Worte, die sie miteinander verbinden - sie ziehen den Tauchanzug an, legen die Sauerstoffflasche, die Schwimmflossen und die Maske an und machen sich auf den Weg ins Meer. So geschah es, als Parwane Ehrari und Harald Weinrich die Unterwasserübergabe des ITB Buddy Bären vor der Kulisse des atemberaubenden Meeres von Curaçao vollzogen.

Frau Ehrari, Sie sind Niederländerin, spüren Sie diesen Einfluss auf der Insel?

Parwane Ehrari: Meine Mutter ist Niederländerin, und sie und ihre Freunde haben immer von den ABC-Inseln geschwärmt, so dass ich schon immer einmal dorthin wollte. Der holländische Einfluss ist zum Beispiel an den Häuserfassaden in Willemstad deutlich zu erkennen: Es gibt eine tolle Kombination aus diesem Einfluss und dem typischen karibischen Flair.

Herr Weinrich, was hat Sie 1998 zur Auswanderung nach Curaçao bewogen?

Harald Weinrich: Ich bin in der ehemaligen DDR geboren und wollte immer so weit wie möglich weg von dort, aber am liebsten ins Warme. Die Entscheidung, nach Curaçao zu ziehen, war eher ein Zufall, aber ich fühle mich hier wohl und glücklich.

Wie ist das Leben im Paradies?

HW: Es ist sonnig und entspannt. Ich beginne meinen Tag genau wie in Deutschland mit einer Tasse Kaffee. Dann fahre ich rüber zu meiner Tauchbasis "Curaçao Divers", begrüße meine Kollegen und kümmere mich um unsere Kunden. Egal wo auf der Welt man ist, man muss arbeiten, aber das karibische Flair, gepaart mit dem holländischen und amerikanischen Einfluss, macht es einem hier leicht, das zu tun.

Was macht Curaçao zu einem so einzigartigen Taucherlebnis?

PE: Was mir am Tauchen hier wirklich gefällt, ist, wie schnell man auf interessante Dinge und Tiere stößt. Dafür muss man nicht tief tauchen, um sie zu sehen. Ich habe sogar schwarze und gelbe Seepferdchen unter Wasser gesehen.

HW: Ja, zum einen sind es die gesunden Riffe, die wir hier noch haben, aber es sind auch die individuellen Tauchbedingungen. Erfahrene Taucher können z.B. 24 Stunden am Tag tauchen und müssen sich nicht an feste Zeiten halten. Auch die Strandtauchgänge sind ein zusätzlicher Vorteil; ein Teil der Familie kann am Strand bleiben, während der andere dort einen Tauchgang starten kann.

Was gibt es denn auf dieser Insel zu sehen, was das Tauchen angeht?

HW: Es gibt so viele schöne Tauchplätze und man kann rund um die ganze Insel tauchen. Es gibt flache und tiefe Tauchplätze, ein wunderschönes Korallenriff und jede Menge eher kleine und große Fische. Und nicht zu vergessen, die vielen Schildkröten und Seepferdchen.

PE: Ich finde es toll, dass es ein intaktes Korallenriff gibt. Ich fand die Korallenwelt hier sehr faszinierend. Die lila Röhrenkoralle, die ich sehen konnte, sowie die Seeteufel haben mich sehr beeindruckt. Das waren echte Highlights, ebenso wie das Doppelschilf Porto Mari.

Welchen Tauchplatz konntest du noch nicht auf deiner "Must-Dive"-Liste abhacken?

HW: Es gibt definitiv noch einige Tauchplätze, die ich gerne erkunden würde, aber ganz oben auf der Liste steht eine Tauchsafari mit Haien auf den Galapagos-Inseln.

Hören Sie sich hier an, was sich bei Harald Weinrich in den letzten fünf Jahren getan hat.

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Bukarest | Rumänien - Ökotourismus im Danube-Delta

Interview aus dem Jahr 2016

Wunder der Natur

Das Donaudelta mit seinen 4.187 Quadratkilometern Feuchtgebieten, schwimmenden Schilfinseln und Sandbänken ist eines der am besten erhaltenen Deltas Europas und ein Ökoparadies. Es ist so bedeutend, dass der rumänische Teil 1991 zum Unesco-Welterbe erklärt wurde. Dieses Naturphänomen, bei dem die Donau nach 2 800 Kilometern von ihrer Quelle im deutschen Schwarzwald in das Schwarze Meer mündet, zieht Touristen aus aller Welt an.

Viele Vogelbeobachter kommen regelmäßig hierher, da das Delta ein wichtiger Zwischenstopp für Vögel ist, die zwischen Mittel- und Osteuropa, dem Mittelmeerraum, dem Nahen Osten und Afrika wandern. Etwa 320 Vogelarten, darunter bemerkenswerte Kolonien von Sumpfseeschwalben, Weißstirn- und Rothalsgänsen, Pelikanen und Seeadlern, sind im Delta zu finden.

Vögel sind nicht die einzigen Bewohner. Es gibt eine Fülle von Süßwasserfischen und verschiedene Säugetierarten wie Bären, Füchse, Wölfe, Otter, Wiesel und gelegentliche Besucher wie Wildschweine oder Rehe.

Das Donaudelta ist ein bemerkenswertes Ökosystem, und es wurden erfolgreiche Initiativen wie "Discover Eco-Romania" (VRE) der Vereinigung für Ökotourismus in Rumänien ins Leben gerufen, um dieses außergewöhnliche Reiseziel zu einem Vorbild für den Ökotourismus zu machen. Die VRE bringt weiterhin den öffentlichen und den privaten Sektor im Interesse des Naturschutzes und der nachhaltigen Tourismusentwicklung zusammen. Das VRE-Zertifizierungssystem für Ökotourismus entspricht den internationalen Standards und dient als Qualitätsgarantie für Besucher des Deltas.

Ökotourismus-Experte trifft Ornithologe

Andrei Blumer aus Rumänien und Rolf Nessing aus Deutschland sind beide tief im Naturschutz und Ökotourismus verwurzelt. Ein erfolgreiches Ökotourismuskonzept zielt auf den langfristigen Erhalt der Umwelt, die Unterstützung der lokalen Wirtschaft und die Pflege von Traditionen. Dies ist eine komplexe Herausforderung, die beide gerne annehmen, um das Bewusstsein für verantwortungsvollen Tourismus und Naturschutz in ihrer jeweiligen Region zu stärken. Außerdem sind beide fasziniert von der Vielfalt und Schönheit des Donaudeltas.

Wie wichtig ist das geschützte Donaudelta für den Ökotourismus?

Andrei Blumer: Von der Größe und der Artenvielfalt her ist es das wichtigste Naturschutzgebiet in Rumänien. Die Natur und die menschlichen Siedlungen sind miteinander verflochten. Es ist fantastisch, dass Raubtiere wie Wölfe und Bären mit den Menschen koexistieren können. Das Delta ist sowohl wichtig als auch perfekt für den Ökotourismus.

Wie hat sich der Tourismus im Delta in den letzten fünf Jahren entwickelt?

AB: Er hat sich dank des Engagements der Menschen aus der Region enorm entwickelt. Es ist wichtig, lokale Dienstleistungen zu schaffen und diese dann zu unterstützen. Die Einheimischen sind zum Beispiel diejenigen, die Unterkünfte für die Touristen bereitstellen. Die umliegende Bevölkerung ist auch eine Quelle für Reiseleiter. Unsere gemeindebasierten Initiativen haben zu vielen interessanten Dingen geführt, wie zum Beispiel zur Wiederbelebung von Traditionen wie dem Holzbootbau.

Rolf Nessing: In der Donauregion hat sich in den letzten Jahren viel getan. Leider war nicht alles gut. Es gab einen großen Zustrom von Touristen, und die Natur kann nur eine bestimmte Anzahl von ihnen verkraften. Große Hotels sollten nicht die privaten Gasthäuser ersetzen.

Welche herausragenden Aktivitäten können Touristen im Delta unternehmen?

AB: Sie können mit einem Ruderboot zum Fischen fahren oder die Wasservogelkolonien beobachten. Auch Radfahren ist eine gute Option. Da es in der Region so viele ethnische Gruppen gibt, ist die Küche hier sehr vielfältig. Ich denke, es gibt so viel zu entdecken, aber ich würde den Touristen empfehlen, sich Zeit zu nehmen, um die vielen Attraktionen des Deltas zu entdecken und zu genießen.

RN: Das ist wahr. Ich stelle oft fest, dass Gäste, die mit mir ins Delta reisen, das langsame Tempo dort genießen. Man braucht definitiv Zeit, um die einzigartige Landschaft in sich aufzunehmen. Dazu gehört auch das menschliche Element, zum Beispiel die traditionellen Fischerdörfer mit ihren schönen reetgedeckten Holzhäusern.

Welche Rolle spielen Öko-Zertifikate und dergleichen im Ökotourismus?

AB: Der Zertifizierungsprozess ist Teil einer Marketingstrategie, die sich an internationale Touristen richtet. Wir haben unser eigenes Umweltzeichen entwickelt, um ein Netzwerk von verantwortungsbewussten Unternehmen zu schaffen. Das Label selbst zieht keine Kunden an, aber es stellt sicher, dass die Besucher bestimmte umweltfreundliche Standards erwarten können.

Welche Entwicklungen im Bereich des Ökotourismus wünschen Sie sich für die nächsten 10 Jahre in Ihren jeweiligen Gebieten?

AB: Wir wollen, dass das Donaudelta auf dem internationalen Markt als Teil eines Netzwerks von hochwertigen Reisezielen präsent ist. Ich wünsche mir das Wachstum kleiner unabhängiger Unternehmen, die in lokalem Besitz sind und qualitativ hochwertige Produkte herstellen. Ich wünsche mir auch, dass die Menschen kommen und sich wirklich Zeit nehmen, um diese wunderbare Gegend zu entdecken und die Umwelt in einem Tempo zu genießen, das dem Rhythmus des Deltas entspricht.

RN: Brandenburg ist das größte Bundesland mit der geringsten Einwohnerzahl in Deutschland. Es ist bekannt für seine gut erhaltene Natur, es gibt 15 große Schutzgebiete, die zum Teil von Wölfen und Elchen bewohnt werden. Wir könnten in den nächsten Jahren die hohe Arbeitslosigkeit im Land bekämpfen, indem wir mehr Beschäftigungsmöglichkeiten im Ökotourismus schaffen.

Hören Sie sich hier an, was Andrei Blumer während der letzten fünf Jahre erlebt hat.

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Sind Sie neugierig, was unsere Bären in den letzten 5 Jahren erlebt haben?

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